23.09.2010

Frage des Tages

Zieh ich mir ein Paar Wollsocken und einen dicken Pullover über und lern in meinem Zimmer oder tausch ich lieber die Jeans gegen eine kurze Hose und pack mich mit meinem Zeug auf den Balkon?

10.09.2010

Wenigstens gabs n Eis

Stellen wir uns vor es ist noch gestern.
Ich bin auf dem Rückweg von der BaWü nach München. Endlich wieder richtig Autofahren. Macht Spaß. Am Tag vorher bin ich schon umanand gefahren und überhaupt wieder rein gekommen. Ein Jahr bin ich jetzt gar nicht mehr gefahren, in Kiel hab ich kein Auto. Und jetzt die erste längere Strecke, von Hechingen nach Blaubeuren, da wollen wir ne kleine Pause machen um uns so n blauen Teich anzuschauen. Aber Fahren hin oder her, ich fühl mich pissig. Ma schaut bei jedem Mucks den ich mache obs mir nicht zu viel wird. Himmel, mittlerweile bin ich oft genug Auto gefahren um wissen wies sich anfühlt wenn die Konzentration flöten geht. Durst hab ich aber ordentlich, aber das halt ich auch noch aus die restlichen Kilometer.

Dann sind wir da und suchen den Blautopf. Das Ding ist ein Teich an ner Mühle, dass für seine Türkisfärbung bekannt ist, deren Gründe man bei Wikipedia nachlesen kann. Wir laufen durch den Hof eines Klosters. Wolang? Hm, ach, da stehts ja. Da lang, da sein. Ein Café ähnliches Ding, Tourizeug zu kaufen, blauer Teich. Wirklich blauer Teich. Das Wasser hat eine so türkise Farbe, wie ich sie, wenigstens in Bezug auf Wasser, bisher nur im Pinselauswaschglas im Kunstunterricht kenne. Heftig. Aber ich kann hier nicht einfach rumstehen, ich seh hinter dem Wasser gibt es Wege. Mutter wird am Infoschild zurück gelassen.
Der eine Weg führt fix wieder auf die Straße zurück, aber man kann auch abbiegen und den Berg hoch. Ich folge dem Weg nach oben. Oh, wie gern hätt ich jetzt Wanderschuhe an den Füßen und einen gepackten Rucksack am Rücken und könnte einfach immer weiter hoch und schauen wo ich ankomme. Über die Chucks könnte man noch diskutieren, aber provianttechnisch schauts in meiner Umhängetasche ziemlich mau aus. Und was soll ich auch machen? Ma eine SMS schicken? "Hey, fahr doch schon mal vor. Ich geh noch wandern und komm mit dem Zug nach."? Jaja, schön wärs.

Ich bleibe stehen, ich drehe um, ich geh zurück. Zurück zum Teich, zu den Leuten. Ma steht dort und wartet schon auf mich. Auf dem Weg zu ihr raschelt Laub unter meinen Füßen. Auf einmal riecht es nach Herbst. Der Sommer ist in diesem Moment für mich offizell vorbei. Wenns raschelt und dieser spezielle Geruch in der Luft liegt und dieses Gefühl da ist, dann kann es gar nicht anders als Herbst sein.
Und in dem Moment will ich nicht nach München, ich will da bleiben. Ich will mein Zeug nehmen und mich für ein paar Tage in einem Gasthof einquartieren und einen Rucksack tragen und Wanderschuhe und alle Berge besteigen die es hier in der Gegend gibt während unter meinen Füßen das Laub raschelt. Abends könnte ich irgendwo eine Pizza essen und Nachmittags ein Stück Kuchen in einem Café. Ich könnte Urlaub nehmen vom Urlaub und vom Leben und von allem. Bloß ich und die Stadt und der Herbst und der Teich und das Kloster und der Gasthof und meine Pizza zum Abendessen und ich sage Ich möchte noch ein Eis und ich kaufe mir ein Cornetto in dem Turicafésouvenirshop und dann kaufen wir noch Magenbrot und Waffelbruch in dem Laden gegeüber denn es ist jetzt Herbst und da kann man Magenbrot kaufen und wir gehen durch den Klosterhof und dann Richtung Parkplatz und steigen ins Auto und fahren fort aus der Stadt.

Und heute. Heute weiß ich nicht was ist. Ich fühl mich unruhig und gestresst. Der Nachmittag hat mir einen unerwarteten Adrenalinstoß verpasst, mein Arm zittert immer noch ein bisschen. Ich will nicht allein sein, ich will keine Gesellschaft. Heute Morgen fühlte ich mich gut, nun fühle ich mich defekt. Gleich werde ich mich schminken und anziehen und dann raus gehen und in die Stadt fahren und mit Freunden in ein Kneipe gehen. Dort werde ich lachen und was trinken, vielleicht nur Apfelschorle, vielleicht was mit Alkohol, und ich werde mein schlechtes Gewissen ignorieren weil ich heute wieder nichts für die Uni getan hab und hoffen, dass ich mich gut fühle, wenn ich wieder die Haustüre aufschließe, und das Defekte Teil, welches das auch immer ist, durch irgendwas repariert oder ausgetauscht wurde.

06.09.2010

Zeitgefühl

Morgen sag ich München schon wieder für ein paar Tage ade. Meine Ma und ich fahren zur Verwandtschaft nach Baden Württemberg. Wir fahren mit dem Auto, das passt, da ist man in nur etwa drei Stunden dort.
.... Moment. In "nur" drei Stunden? Früher klang das bei mir irgendwie anders. Mehr so wie
"Oh mein Gott! Schon wieder soooo lange fahren! Drei. Stunden. Drei! Uaaaaaaaaaa......."
Und nu? "Joar, passt. Wenn wir nach dem Frühstück fahren kommen wir passend fürs Mittagessen an. Ein Katzensprung, quasi."
Find ich ja eigentlich prima so. Das ist mal wieder ein eindeutiger Beweis dafür, dass Zeitwahrnehmung wirklich eine unfassbar subjektive Sache ist und immens von anderen äußeren Umständen beeinflusst wird.

Wenn man tagewochenmonatelang nur Strecken von maximal 20 Minuten zurück legt, 40 bis 60 in Ausnahmefällen
→ 3 Stunden sind eeeeewig.
Sitzt man ne Woche vorher 15 friggin Stunden in fünf verschiedenen Zügen
→ 3 Stunden? Ja mei, basst scho.
Sowas find ich wirklich unheimlich interessant und faszinierend!

04.09.2010

Goodbye, Darling!

Heute nehme ich Abschied. Ich sage meinem Lieblingspulli adjeu und werfe ihn schweren Herzens in den Müll. Der Pulli ist alt und getragen und sieht auch so aus. Ihn in die Sparte "used look" zu packen wäre eine Beschönigung die einer Lüge gleicht, "obdachlos" beschreibt die Sache besser.
Obgleich schon ein paar Mal geflickt ähnelt die Lochanzahl in dem Stück der eines durchschnittlichen schweizer Käses, vom Ausleierungsausmaß der Fasern will ich gar nicht reden. Nichtsdestotrotz habe ich ihn die letzten Jahre mitgeschleppt und auch immernoch getragen (primär zu Hause oder an düsteren Regentagen).
Nun habe ich einen Ersatz gefunden, welcher seinem Vorgänger in Sachen Komfort und (ursprünglicher) Optik nahe genug kommt um eben jenen zu entsorgen (wozu mir meine Mutter schon vor zwei Jahren geraten hat).

Es ist schon komisch woran man sein Herz manchmal hängt -oder wenigstens einen winzig, winzig kleinen Teil davon.

02.09.2010

Home.

Ich bin mittlerweile in München. Zeit wurds.
Wer hätts gedacht, aber in den letzten drei Monaten und besonders seit dem Tag hab ich mich so an Kiel gewöhnt, dass mir gar nicht mehr soo stark aufgefallen ist wie mir diese Stadt hier eigentlich machmal fehlt. Aber jetzt hier zu sein ist gut. Der Abstand zu Kiel ist gut. Der Abstand zu T. ist sehr gut. Die Situation ist zwar geklärt und die Welt wieder in Ordnung und so, aber hundert Prozent wieder im Gleichgewicht bin ich noch nicht und was hilft da im Zweifel besser als ein Monat 800km weit weg.

Die Fahr hierher war laaaang aber total entspannt. Ich hab mich, weil ich viel Zeit und wenig Geld hab, diesmal für eine Reise nur mit Regionalzügen entschieden. Nur mit den Zügen war ich fast 15 Stunden unterwegs, dazu kommt noch die Zeit Wohnung-Bahnhof, Bahnhof-Wohnung. Und auch wenns fast keiner dem ich davon erzählt hab nachvollziehen kann: ich würds wieder so machen, wenn es vom Zeitaufwand passt. Mit An- und Abreisetagen kann ich eh nichts anfangen, dann kann ich den Tag auch gleich komplett zum reisen nutzen. Is ja nicht so als wär Bahnfahren nur scheiße oder so. Man kann lesen, lernen, schlafen, Musik hören... Wenn man Glück hat, lernt man nette Leute kennen oder sonderbare Dinge passieren. Gut, machmal kläfft hinter einem auch ein blöder Chihuahua sinnlos rum und nervt, aber man soll sich ja mehr auf die positiven Dinge konzentrieren.

Und irgendwann kommt man dann schlussendlich auch an.
Die wichtigsten Dinge hab ich schon erledigt. Ne Breze gegessen zum Beispiel. Und das Bayrisch fließ auch schon wieder besser. So solls sein.